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Bleu de Nuit, Petit Homme, Mur Patiné. Was wie Musik melodisch in den Ohren klingt, ist auch pure Poesie für die Augen. Seelenschmeichler sind sie obendrein. Nichts scheint sinnbildlicher zu sein, um die Kunst der Düsseldorferin Brigitte Cauquil in ihrer Wirkung zu beschreiben.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft


Sanft, weich, leise und angenehm-elegant wirken ihre Kunstwerke, die allesamt harmonisch daherkommen. Beim Betrachten ihrer Bilder stellt sich eine entspannte innere Ruhe ein. Zudem ist spürbar, dass sich zwischen Mensch und Bild der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, vielleicht sogar eine 'liaison amoureuse' entwickelt. Denn den Zugang zu den Bildern der Künstlerin findet nur, wer nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen schauen kann.



Ihre Kunstwerke tragen wohlklingende französische Namen und sind eine Hommage an Frankreich. An das Land, aus dem ihr Ehemann stammt und in das sie sich in mehr als drei Jahrzehnten verliebt hat. Aus ihren Urlauben und Familientreffen, die sie oft in die Provence und in den Luberon führen, bringt sie sich Pigmente mit und arbeitet diese 'Urlaubssouvenirs' in ihre Kunstwerke ein. Durch das brilliante Zusammenspiel von Farbe, Form, Struktur und einer – wie bei Brigitte Cauquil charakteristisch – ausgeprägten Materialität, entstehen durch das malerische Können der Künstlerin faszinierende, abstrakte Bildkompositionen.



"Mein wildes Inneres braucht die Ruhe von Außen"

'Le savoir-vivre', die Kunst, das Leben zu genießen, hat sich die frankophile Rheinländerin zu eigen gemacht. Diese Leichtigkeit lässt sie spürbar feinfühlig und behutsam in ihre Bilder einfließen, in dem sie sich überwiegend in einer weiß-grauen Farbwelt bewegt. "Ich liebe das Steinige und Pudrige, das Zarte, Helle, Dunkle – oftmals auch Grobe – eines Bildes, das mich an alte Mauern in einem alten provenzalischem Dorf erinnert", erzählt sie. "Die Ruhe, die meine weiß-grauen Bilder ausstrahlen, wirken auf mich positiv und ein wohliges Gefühl stellt sich ein, wenn ich meine Augen über die Arbeit wandern lasse".



Luberon und Provence

Jeder Aufenthalt in Frankreich befeuert ihre schier unerschöpfliche Kreativität. "Die üppige Natur des Luberon und der Provence liebe ich", schwärmt die Künstlerin. "Die herrlichen Pinienwälder, die Lavendel- und Weinfelder, die malerischen kleinen Dörfer, die wilden Schluchten und kargen Gipfel lassen mein Herz vor Freude hüpfen und geben mir Raum für Inspirationen". Die Luberon-Dörfer Lacoste, Bonnieux, Menerbes, Ansouis oder Cucuron sind für die Malerin ein Genuss für Augen und Seele.



Die Ockerfelsen von Roussillon, der blendend helle Kalkstein des Mont Ventoux, die kraftvollen Farben der Buchen-und Eichenwälder und das warme, mediterrane Licht spiegeln sich auf der Leinwand der Künstlerin wider und ergeben ein spannungsvolles Wechselspiel.



Faszination: Farbspuren der Vergangenheit

Alte Mauern, verwittertes Holz, Patina, rostiges Blech und alte Gassen – die Spuren der Vergangenheit faszinieren die Düsseldorfer Künstlerin. Das Vergängliche wird in ihren Kunstwerken wieder lebendig und mittels Leinwand und Farbe konserviert. "Farbspuren der Vergangenheit berühren mich", berichtet Brigitte Cauquil, die angesichts ihres schönen Namens, ihrer brünetten Haare und braunen Augen tatsächlich den Mythos einer Französin verkörpert.



"Der morbide Charme gelebter Materialien hält eine Fülle an Informationen für mich bereit", erläutert sie. "Er ist vergleichbar mit einem spannenden Buch, in dem ich lese. Durch die Stoffe und Naturprodukte erfahre ich viel über die Menschen, über Ereignisse und Witterungseinflüsse. Die unzähligen Farben und Formen der Landschaft und Pflanzenwelt bieten mir eine Fülle an Impulsen, die ich in meine Bilder einarbeite", erklärt Cauquil macht ihre Sympathie für das Brüchige und Verwitterte deutlich, das für sie die wahre Schönheit darstellt.


"Ich bin eine klassische Handwerkerin"


Die kreative Rheinländerin sieht sich selbst als klassische Handwerkerin im wörtlichen Sinne. "Ich bin ein haptischer Mensch. Meine Bilder müssen sich berühren lassen". Auch der Anfang ihrer Künstler-Karriere war geprägt durch 'ihrer Hände Arbeit': Händisch aufgetragene Ölfarbe auf geschöpftem Papier stellte ihr Erstlingswerk dar. Und auch gegenwärtig wird das finale Ende eines Bildes besiegelt durch die Berührung ihrer Hände.



"Die letzte Farbschicht trage ich oftmals mit der Hand auf. Ich fühle dann die Strukturen, die Leinwand und genieße den Farbduft in der Nase. Meine Bewegungen werden immer kleiner und kleiner und die letzte Berührung ist wie ein Abschied von einem mir treu gewordenen Partner. Ein Abschied von einer lieb gewonnenen Beziehung, die zwischen mir und dem Bild entstanden ist", so die Künstlerin.


Respekt vor der Leinwand

Trotz ihrer bemerkenswerten künstlerischen Leistung und ihrer Erfolge geht Brigitte Cauquil demütig mit ihrer Arbeit um. "Weiterhin habe ich großen Respekt vor der Leinwand", erklärt sie. "Jedes neue – noch fremde Material - ist für mich ein neues Lehrlingsstück: Ein 'coup d´essai'. Malen bedeutet für mich immer, einen neuen Versuch zu wagen und jedes neue Bild ist ein Wagnis und eine Herausforderung für mich".



Je mehr sich die Künstlerin der Leinwand nähert und mit ihrer Arbeit fortschreitet, desto mehr werden beide zu Partnern. "Wenn das Material, die Struktur, die Pigmente, die Acrylfarben und Lacke – im übertragenen Sinne - reagieren, verstehen wir beide uns glänzend. Ich liebe Überraschungen" verrät die Künstlerin lachend.

"Es ist den Bildern nicht anzusehen, dennoch kompensiere ich Gefühle in meine Bilder", so die Künstlerin über ihre Emotionen beim Malen. "Manchmal ist es eine innere Unruhe, Kummer oder Wut, dann wieder sprudelndes Temperament und die Freude am Tun". Die Arbeit mit der Leinwand ist ein körperlicher und seelischer Prozess, erklärt die Düsseldorferin. Die Energie kommt aus dem Bauch und überträgt sich unmittelbar auf die Hände, die verantwortlich sind für das Auf- und Abtragen der Farbe, das Streichen und das Wischen.



Eine unverkennbare Handschrift der kreativen Mutter zweier Söhne ist das 'Graffiti' auf ihren Gemälden, welches das Bild unterteilt und abschließt. "Es war plötzlich da", berichtet sie. "Erst ein Bauchgefühl, dann eine lockere Zeichnung aus der Hand. Nunmehr ist es mein Erkennungsmerkmal und sogar mein Markenzeichen geworden", berichtet die Künstlerin stolz.



Der Weg ist das Ziel


Selbstbewusst erklärt Cauquil, dass sie sich ihren künstlerischen 'Status Quo' autodidaktisch erarbeitet hat. Identifikation mit der Arbeit, gepaart mit Liebe, Herzblut und Durchhaltevermögen haben die engagierte Kunstschaffende – auch ohne akademischen Hintergrund - zu dem gemacht, was sie heute ist: eine erfolgreiche Malerin.

Prominente Unterstützer und Kooperationspartner

Das exklusive Einrichtungshaus Lambert und die renommierte, international tätige Galeristin Sabine Broekmann haben ihr Talent schon früh erkannt und arbeiten mit der Autodidaktin erfolgreich zusammen. Seit Jahren sind die beeindruckenden Exponate der Künstlerin sowohl im Lambert-Flagshipstore in Köln als auch in den Fine Art Studios Broekmann in Krefeld zu erwerben.



Bilateral finden darüber hinaus regelmäßig jährliche Ausstellungen von Cauquils Werken statt. Auch Netzwerkarbeit mit Kolleginnen und Kollegen ist ihr wichtig. Die Malerin ist daher engagierte Gründerin und Mitglied in der Künstlervereinigung 'Makellosigkeit und Brüche'.



Die Rheinländerin mit der auffallend weichen und sanften Stimme bevorzugt Stille bei ihrer Arbeit. In ihrem Atelier braucht sie Ruhe als gute Basis und Rahmenbedingung, um kreativ und sinnlich arbeiten zu können. Hipburn trifft sich mit der charismatischen Künstlerin, die einen ausgeprägten Sinn für Stil, Ästhetik und alles Schöne hat, in ihrer Werkstatt. In Begleitung eines gut gekühlten Crémant aus der Loire starten wir unser Interview.



Hipburn Welche Künstler haben Dich beeinflusst und inspiriert?

Brigitte Cauquil Wassily Kandinsky begeistert mich immer noch. Beeinflusst haben mich auch die schönen ruhigen Bilder von Bettina Hachmann. Ebenfalls die Materialarbeiten, die Alberto Burri in den 50er Jahren geschaffen hat. Ebenso bin ich berührt und begeistert von Chiharo Chiota mit ihren fantastischen Rauminstallationen.

Hipburn Wer gibt Dir ein erstes Feedback hinsichtlich eines neu entstandenen Werkes?

Brigitte Cauquil Mein bester Freund und Partner bei der Arbeit ist mein Mann. Er gibt mir Hinweise zur grafischen Ausgewogenheit, da er als Techniker ein gutes Auge hat. Er fertigt auch die Leinwände für mich, hilft beim Transport und dem Hängen bei Kunden. Wir sind ein gutes Team.

Hipburn An welchen ungewöhnlichen Orten könntest Du Dir eine Vernissage Deiner Werke vorstellen?

Brigitte Cauquil Alte Industriehallen oder Abrissgebäude würden mich begeistern, da diese verlassenen Orte eine Geschichte haben und einen spannenden Hintergrund für meine Bilder darstellen.



Hipburn Außer in Deiner Werkstatt, wo würdest Du darüberhinaus gerne malen?

Brigitte Cauquil Unter der provenzalischen Sonne! Das wunderbare Licht, der Duft der Kräuter und Gewürze, die blühenden Lavendelfelder. Das wäre - alternativ zu meinem hiesigen Atelier - eine schöne Malumgebung.

Hipburn Wie schaltest Du ab? Wie entspannst Du?

Brigitte Cauquil Ich bin eine leidenschaftliche Köchin und liebe es, Freunde und Familie einzuladen und mit der französischen Küche zu verwöhnen. Mit Freude stehe ich dann in der Küche und koche gerne klassische Gerichte wie Coq au vin, Boeuf Bourguignon oder Cassoulet Toulousain. Abschalten kann ich wunderbar, wenn ich nach getaner Gartenarbeit auf meiner Terrasse sitze, den Sonnenuntergang beobachte und einen fruchtigen Roséwein genieße.

Hipburn Was macht Dich glücklich?

Brigitte Cauquil lacht...Oh..da bin ich ganz lokalpatriotisch veranlagt. Glücklich bin ich zum Beispiel jedesmal, wenn ich die Oberkasseler Brücke überquere und die Silhouette von Düsseldorf – meiner Heimatstadt – sehe. Dann geht mein Herz über. Gerne lasse ich mich von der Stadt und ihrem Spirit inspirieren.

Hipburn Wie wichtig ist Dir zu wissen, wer der Käufer Deines Bildes ist?

Brigitte Cauquil Durch meine verschiedenen Kooperationspartner weiß ich leider nicht immer, wo mein Bild – das mir im Laufe der Schaffensperiode wie ein Kind ans Herz gewachsen ist – ein neues Zuhause gefunden hat. Ich wüsste es gerne. Diverse Kunden kenne ich und weiß, welchen Platz meine Bilder gefunden haben. Letztens habe ich sogar eine recht kuriose Situation erlebt. Per Spedition habe ich ein Bild zu einer Kundin nach Norddeutschland transportieren lassen. Bis heute weiß ich nicht warum, aber nach einer Woche stand dieses Bild wieder vor meiner Haustür, da es nicht zugestellt werden konnte. Daher haben mein Mann und ich uns persönlich auf den Weg nach Niedersachsen gemacht, um das Bild auszuliefern. Aus diesem Kontakt hat sich mittlerweile eine wunderbare Freundschaft entwickelt. Es sollte so sein. Es gibt keine Zufälle im Leben. Oftmals erlebe ich, dass meine Bilder als sogenannte 'Türöffner' fungieren, da ich dadurch viele interessante Menschen kennenlerne, die mein Leben bereichern.



Hipburn Mit welchen Visionen gehst Du in die Zukunft?

Brigitte Cauquil Ich freue mich, wenn meine Bilder im Kontext zu einem schönen Ensemble stehen. Gerne würde ich daher meine Bilder für Rauminszenierungen zur Verfügung stellen und mit Innenarchitekten, Interior Design Magazinen oder Home-Stagern zusammenarbeiten.

Liebe Brigitte, besten Dank für das Gespräch!

Fotos: Brigitte Cauquil und Sabine Broekmann

www.cauquil.de
Beitrag von Ulrike Fieback  /  10. Februar 2017  /  Drucken  /  Fehler melden  /  Erschienen bei Hipburn / © hipburn.de
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