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Agnes Morguet ist eine der großen Designerinnen unserer Zeit. Die charmante, fröhliche und quirlige Kölnerin, die ausgebildete Schreinerin und Innenarchitektin ist, hat aufgrund ihrer herausragenden Projekte schon namhafte Designpreise gewonnen. Ob als 'Winner' beim international ausgeschriebenen 'iconic award 2015' für die Konzeption und Umsetzung eines Raumkonzeptes oder beim 'Interior innovation award 2015' mit der Stehleuchte 'JOUJOU'. Auch beim 'Deutschen Fliese-Preis' hat das Designtalent den ersten Platz erreicht. Kein Wunder, denn ihre Entwürfe bewegen sich virtuos zwischen Kunst und Funktionalität.


Dönerladen Düsseldorf by Agnes Morguet - Foto: Agnes Morguet

"Ich liebe Räume und Produkte, die eine Seele haben, die etwas erzählen können und die Menschen auf irgendeine Weise berühren", erklärt die innovative Künstlerin.

Zum ersten Mal präsentiert sich Agnes Morguet auf der internationalen Einrichtungsmesse (imm) in Köln. Zu ihrer Ausstellungspremiere trifft sich Hipburn mit der Designerin zu einem Interview.


Hipburn Frau Morguet, was hat Sie an der Idee gereizt, sich 2017 erstmals auf der 'imm' zu präsentieren?

Agnes Mourget Ich betreibe seit 2013 offiziell mein eigenes Studio für Innenarchitektur und Produktdesign. Bisher haben wir viel Projektarbeit gemacht. Nun war es einfach an der Zeit, auch meiner Leidenschaft, dem Möbel- und Produktdesign, etwas mehr Beachtung zu schenken. Schon 2011 habe ich den YDMI Preis, ausgelobt vom Rat der Formgebung für Nachwuchsdesigner aus Deutschland, gewonnen. Im Jahr 2015 folgte dann der Interior Innovation Award für die Stehleuchte JOUJOU. Ich würde in Zukunft gerne auch mehr mit Herstellern sowohl national als auch international zusammenarbeiten, um die ganzen Ideen, die täglich aus mir heraussprudeln, in die Tat umzusetzen.


Design-Leuchte JOUJOU - Foto: Damian Zimmermann

Hipburn Woher holen Sie Ihre Inspirationen für neue Produkte und was ist Ihnen bei den Entwürfen besonders wichtig?

Agnes Morguet Ein besonders schöner Ast, eine Hochspannungsleitung, ein interessanter Mensch, alles was mir im Alltag begegnet, inspiriert mich. Es ist, als ob in meinem Kopf eine Riesenbibliothek von Materialien, Menschen, Formen, Farben und Gefühlen angelegt ist, die jeden Tag mit neuen Dingen 'gefüttert' wird. Und aus dieser bedient sich meine Kreativität und setzt immer neue Dinge daraus zusammen. Egal ob es ein Produkt, ein Raum oder eine Fassade ist - entscheidend ist für mich, dass eine Geschichte erzählt und bei dem Betrachter ein Gefühl ausgelöst wird. Außerdem ist es mir wichtig, dass die Produkte so gut verarbeitet sind, dass Sie ewig halten und die Menschen Zeit haben, eine Beziehung zu dem Gegenstand aufzubauen und diesen auch weitervererben könnten.

Die Frau steht ihren Mann: Agnes Morguet in ihrer Werkstatt - Foto: Morguet

Hipburn In wieweit macht es sich in Ihrem Arbeitsalltag positiv bemerkbar, dass Sie sowohl Innenarchitektin als auch gelernte Schreinerin sind?

Agnes Morguet lacht. Was glauben Sie, wie beispielsweise ein 50-jähriger Installateur eine junge blonde Frau auf der Baustelle zuerst einschätzt? Wenn ich dann aber im Nebensatz erwähne, dass er mir keinen Quatsch erzählen soll, weil ich selber Handwerkerin bin, ist die Sache klar. Mir ist ein respektvoller und konstruktiver Umgang mit Handwerkern und Kunden sehr wichtig; da kommt mir mein handwerkliches Denken schon oft zu Gute. Was das Produktdesign angeht, ist es natürlich toll, dass ich, sobald ich eine Idee habe, sie auch selber umsetzen kann. Zusätzlich zu meiner Schreinerlehre habe ich auch noch einen wunderbaren Ehemann der Schlossermeister ist, das ermöglicht mir ein Arbeiten und Experimentieren in verschiedene Richtungen. Es ist in meinen Augen unheimlich wichtig, nicht nur in seinem Gewerk zu denken, sondern die Augen nach allen Materialien und verschiedenen Verarbeitungstechniken offen zu halten. Alles andere wäre mir auch zu langweilig.

Hipburn Frau Morguet, mit welchen Projekten starten Sie in die Zukunft? Wohin entwickelt sich trendmäßig der Interior-und Einrichtungsmarkt?

Agnes Morguet Ich sehe die Möbelmesse dieses Jahr als Startschuss, um auch im Bereich Produktdesign noch intensiver zu arbeiten und um mehr Geschäftsbeziehungen in dieser Richtung aufzubauen. Ansonsten starten wir 2017 wie auch in der Vergangenheit mit vielen verschiedenen Projekten. Altbausanierung, Restaurant, Büroplanung – es bleibt vielseitig.


Eingangsbereich Werbeagentur 'bunte brause' designed by Agnes Morguet - Foto: Morguet

Was den Interior- und Einrichtungsmarkt angeht, glaube ich, dass sich die Menschen auch weiterhin wieder mehr mit ihrem direkten Umfeld beschäftigen und auf handwerkliche Qualität achten werden. Die Welt steht Kopf und wenn man die Nachrichten hört, hat man manchmal das Gefühl, es passiert nur noch Schlechtes. Ich glaube das Thema Wertschätzung spielt hier eine enorm wichtige Rolle. Wertschätzung für meine Mitmenschen, für die Natur, für mein zu Hause und für mich selber.

Das Bedürfnis nach Harmonie und Frieden steckt in jedem von uns. Wir als Interior- und Produktdesigner versuchen, Gegenstände und Räume zu schaffen, die den Menschen ein gutes Gefühl geben. Die Dänen nennen es 'Hyggelig', wir hier in Deutschland "Gemütlichkeit". Ich denke, dass es unabhängig von der Größe der Wohnung und der Höhe des Einkommens wichtig ist, dass sich die Menschen zu Hause einfach wohlfühlen. Denn nur dann können Sie auch im Alltag entspannter und glücklicher sein und anderen positiv gegenübertreten. Ob Trend oder nicht– ich bin fest davon überzeugt, dass Tradition, Handwerk und Produkte die Emotionen wecken alle Trends überdauern werden.


Foto: Agnes Morguet

Anmerkung der Redaktion:

Vom 16. bis 22. Januar 2017 ist Agnes Morguet auf der imm in Halle 2.02 am Stand P007 vertreten sowie in den Passagen 2017. Die Passagen (Interior Design Week Köln) sind die größte deutsche Designveranstaltung, die seit 1990 jährlich in Köln stattfindet. Mit Ausstellungen und Veranstaltungen zu aktuellen Tendenzen im Interior-Design. Austeller sind internationale Hersteller, Designbüros, Einrichtungshäuser, Showrooms, Institute und Hochschulen.

www.agnes-morguet.com

Beitrag von Ulrike Fieback  /  09. Januar 2017  /  Drucken  /  Fehler melden  /  Erschienen bei Hipburn / © hipburn.de
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