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22 Uhr. 'Tatort' Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt. Aus dem Erdgeschoss eines Hauses im Försterweg 3 schallt begeisternder Applaus, der eindeutig dem Star des Abends gehört: Christian Krüger.

Der talentierte Koch hat es wieder bravourös geschafft, seinen Gästen Gaumenfeuerwerke zu entlocken. Dem Beifall zu urteilen, hat er ihn längst – den Gäste-Stern. "Für mich ist es immer noch etwas ungewohnt, dass die Gäste meine Feinschmeckerküche mit Beifall honorieren", erklärt der leidenschaftliche Koch, Gastronom und Autor bescheiden. "Doch ich freue mich sehr darüber. Ich mag es, die Menschen mit meinem Essen zu begeistern und die Freude unmittelbar in ihren Gesichtern zu sehen. Das ist das schönste Lob", so der Küchenchef und serviert zum Abschluss des Fünf-Gänge-Menüs selbstgemachte Pralinen.



Christian Krüger ist kein gewöhnlicher Koch und er hat auch kein gewöhnliches Restaurant. Tische reservieren ist in seinem Restaurant nicht möglich – es gibt nur einen! Der aber ist mehr als drei Meter lang, aus schwerer Eiche und fasst zwölf Personen. "Reservierungen für Stühle nehme ich daher gerne entgegen", lacht der attraktive Koch mit der markanten Brille.



Kulinarischer Leuchtturm: Wohnzimmerrestaurant Tisch 12

Landesweit einmalig, hat Krüger das erste Wohnzimmerrestaurant namens 'Tisch 12' eröffnet. Da an die lange Tafel maximal zwölf Gäste passen, war der Name Programm. "Passender kann ich mein Unternehmen nicht beschreiben. Es ist meine Marke geworden", erklärt der stets gut gelaunte Gourmet-Künstler, der die kulinarische Landschaft Sachsen-Anhalts nunmehr entscheidend prägt.

Wer bei Krügers speisen möchte, muss zu ihrem Wohnhaus in das idyllische Fleetmark fahren. Traumhaft gelegen zwischen Feldern und Wäldern hat die Familie im Parterre ihres Hauses das Wohnzimmerrestaurant eingerichtet. Vor dem Umbau des Hauses noch eine Waschküche, kommt die Wohnstube – die jetzt offiziell und behördlich ein Gastraum ist – modern und stylisch daher.



Dass bei Krügers alles anders ist, zeigt auch die Biographie des jungen Kochs. Zwar ist ihm das Handling mit der Kelle bestens vertraut, doch in seinem 'ersten Leben' benutzte er dieses Utensil, um Häuser zu bauen: Denn der Altmarker ist gelernter Maurer. Manchmal braucht es einen Impuls von außen, damit das Leben eine Wende nimmt. "Als meine Ehefrau Beate rund ein Jahr lang auswärts gearbeitet hat, war ich Selbstversorger und plötzlich auf mich allein gestellt; insbesondere in Sachen Ernährung", erinnert sich der Unternehmer. "Irgendwann konnte ich keine gegrillten Hähnchen mehr sehen, die ich regelmäßig an dem Wagen vor dem Supermarkt gekauft habe. In dieser Zeit fielen mir die Koch-Shows von Tim Mälzer positiv auf und ich habe die Sendungen interessiert verfolgt. Gut fand ich damals, dass alle Rezepte – gerade für mich als Laien – verständlich und leicht nach kochbar waren".



Kreative Küche auf hohem Niveau

Das innere Feuer war entfacht. Der 'Strohwitwer' kochte und buk, was das Zeug hielt. Aus den zarten Anfängen hat Krüger mittlerweile eine kreative Küche auf hohem Niveau entwickelt. Der Tipp eines Bekannten, seine Kochleidenschaft in die große weite Welt zu tragen, war der Startschuss für sein innovatives Projekt 'Wohnzimmerrestaurant'.


"Ich habe das sportliche Ziel, Menschen zusammenzubringen, die sich noch nie vorher begegnet sind. Das schaffe ich nur in einer sehr persönlichen und familiären Atmosphäre – in meinen eigenen vier Wändern", so die Devise des Unternehmers und Vater einer Tochter. "Klar leben in einer Großstadt die meisten Singles, die gerne Teil einer kulinarischen Großfamilie sein würden", erklärt der kochende Geschäftsmann. "Doch wir haben uns bewusst für die Stille, für 'Natur pur' und das ländliche Flair entschieden. Viele Großstädter haben übrigens eine große Sehnsucht nach Ruhe. Damit punkten wir". Und tatsächlich nehmen die Menschen gerne auch längere Fahrstrecken in Kauf, um mit einer Spitzenküche belohnt zu werden.



Tisch 12: Rundum-Verwöhnpaket mit Shuttle-Service

Fahren ist das Stichwort. Da es bei Krügers das 'Rundum-Verwöhnpaket' gibt, können die Gäste in einer der umliegenden Pensionen oder Hotels logieren, mit denen das Wohnzimmerrestaurant kooperiert. Sogar ein Shuttle-Service wird für die Gourmetfreunde angeboten. So können sie ganz ohne Reue die wunderbaren Weine genießen, die Christian Krüger in Zusammenarbeit mit hervorragenden Winzern anbietet. 'Tisch 12' hat zwar den Charme eines Privatrestaurants; Straßenschuhe gegen Hauspantoffeln muss aber kein Gast tauschen. Auch einen Dresscode gibt es nicht.



Für den Koch, der den Duft von gebratenen Kalbsbäckchen und Kräutern liebt, ist es immer wieder spannend, die Gäste zu begeistern und sie in die Menüfolge miteinzubeziehen. Auch fast vergessene Pflanzen wie Knollenziest, Erdmandel und Erdkastanie landen – frisch aus dem eigenen Garten und kulinarisch verfeinert – auf seiner Tafel. "Viele haben beispielsweise noch nie Tonkabohnen gesehen", klärt Krüger auf. "Vor Essensbeginn lasse ich daher diese aromatisch duftenden Samen einer tropischen Pflanze bei Tisch umgehen. Später dann überrasche ich die Gäste mit einem Gericht, in dem ich die Bohnen verarbeitet habe".



Ein Leben für die "Grande Cuisine" und Mitglied im Table d'Or-Kochclub von Johann Lafer

Der Altmärker sprudelt vor Ideen und Tatendrang. Stillstand ist bei ihm Rückstand und ein Ausruhen auf Lorbeeren kommt schon gar nicht in Frage. "Ich koche gerne gehoben. Ich koche quer durch alle Kontinente und brenne für die Grande Cuisine", berichtet der engagierte Koch. "Dafür bilde ich mich kontinuierlich weiter. Ich liebe Herausforderungen, um daran zu wachsen". Ein Blick in seinen Organizer zeigt, dass regelmäßig Seminare im Guldentaler 'Table d´Or' bei Johann Lafer und im Sylter Feinschmecker-Restaurant bei Johannes King auf der Agenda stehen. Oder aber Besuche bei Nelson Müller in Essen, um sich in Sachen vegetarischer und veganer Küche zu briefen. "Gerade vegetarische Speisen werden von Kunden oft angefragt", so Krüger. "Da der Kunde König ist, tragen wir dem natürlich Rechnung und bieten demnächst einen reinen vegetarischen Abend an". Last not least ist Krüger Mitglied im Kochclub von Johann Lafer und hat somit einen engen Kontakt zum bekannten Sterne- und Fernsehkoch.



"Ich liebe Kochduelle"

Genau wie ein Sportler vom Trainingsmodus in den Wettkampfmodus wechselt, braucht auch Christian Krüger den Kitzel des Wettstreites. "Ich liebe Kochduelle", so der Küchen-Experte und untermauert seine Aussage mit strahlenden Augen und einem gewinnenden Lächeln. Unter dem Motto 'Regionale Küche – innovativ umgesetzt' hat der ambitionierte Koch beim jährlich stattfindenden 'Siemens CookingCup' - mit Alfons Schuhbeck in der Jury - im April 2016 teilgenommen. "Bis ins Finale habe ich es geschafft - nächstes Jahr aber möchte ich Küchen-Champion werden". Christian Krüger schafft das. Den Ehrgeiz und das innere Feuer hat er.

Die Kindergesundheit liegt ihm am Herzen

Mit Leib und Seele Familienvater, liegt ihm auch die Kindergesundheit sehr am Herzen. Mit Viertklässlern einer Grundschule hat er gemeinsam ein Kochbuch an den Start gebracht. "Es ist wichtig, Kinder frühzeitig für gesundes Essen zu begeistern. Die Leitplanken dafür müssen in frühester Kindheit richtig gesetzt werden". Sein pädagogisches Engagement sieht der Vater und Koch auch als Teil seines Bildungsauftrages.





In Zeiten des demografischen Wandels denkt Krüger aber auch an die Senioren. "Vielen Gästen ist ein Abendessen um 19 Uhr zu spät", erklärt der 'Gaumenverführer'. "Daher bieten wir an Feiertagen bereits um zwölf Uhr einen Mittagstisch an".

Der Redaktionstag war lang, der Magen ist leer, der Weg in die Altmark nicht weit. Ein schöner Grund, den talentierten Koch in seinem 'Tisch 12'- Restaurant für ein Interview zu besuchen. Wir sitzen an der langen Eichentafel im Shabby-Chic-Style. Vor mir ein – vom Chef - frisch zubereiteter und duftender Enten-Burger. Köstlich! Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen.



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Welches kochende Vorbild haben Sie und welchen VIP würden Sie gerne mit Ihrer Grand Cuisine verwöhnen?

Christian Krüger Eindeutig Johann Lafer. Er ist absolut meine Nummer 1. Ich hoffe sehr, dass ich ihn in meinem 'Tisch 12' als Gast begrüßen darf . Da ich Mitglied in seinem Kochclub bin, wäre es für mich eine große Freude, ihn lukullisch zu verwöhnen. Dafür hat sich Barbara Gryschka, die rechte Hand von Johann Lafer aus der Table d`Or-Kochschule Guldental, bereits angemeldet.

Hipburn Wie läuft ein Abend bei Ihnen konkret ab?

Christian Krüger Wir starten um 19 Uhr. Dann begrüße ich meine Gäste und erläutere das Menü. Um den Gaumen anzuregen, gibt es selbstgebackenes Saaten- und Dinkelbrot und verschiedene Salze wie Hibiskus, Zitronen, Kaffee, Trüffel- oder Rauchsalze. Danach folgt ein Fünf-Gänge-Menü sowie zweimal ein 'Gruß aus der Küche'. Zum Abschluss gibt es das I-Tüpfelchen: Selbstgemachte Pralinen.



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Läuft es per Du oder per Sie bei Ihnen ab?

Christian Krüger Bei uns geht es sehr persönlich und familiär zu. Daher per Du. Nach dem Kochen setzen meine Frau und ich uns zum Beispiel auch zu den Gästen an den Tisch und bleiben nicht – wie in einem gewöhnlichen Restaurant – in der Küche. Das ist für die kleine kulinarische Familie, die wir an dem Abend sind, immer wunderschön. Es wird viel gelacht und über das Essen philosophiert. Die Abschiede enden übrigens immer in herzlichen Umarmungen.

Hipburn Wie gehen Sie in der Küche mit dem Thema Zeitmanagement um?

Christian Krüger Bei mir muss alles gut strukturiert sein. Ich arbeite das Menü zeitlich genau aus.

Hipburn Welches Motiv haben die Gäste, Ihr Wohnzimmerrestaurant zu besuchen? Ist Neugierde im Spiel?



Christian Krüger
Definitiv! Viele kommen, weil sie ihren Gutschein einlösen möchten, den sie geschenkt bekommen haben. Gerne auch buchen komplette Freundeskreise einen Abend bei uns.

Hipburn Welche kuriosen Erlebnisse gibt es?

Christian Krüger Kurios ist, wenn die Gäste sogar Gastgeschenke mitbringen. Oftmals werden wir mit Blumen, selbst gesuchten Pilzen oder bestickten Handtüchern bedacht. Aber letztlich zeigt uns das, wie familiär es bei uns zu geht und werten das als positives Feedback. Es ist wie Freunde besuchen, denen man etwas mitbringt.

Hipburn In Ihr Wohnzimmerrestaurant, welches in Ihrem Privathaus ist, kommen fremde Menschen. Gab es auch schon ein unangenehmes Ereignis?

Christian Krüger Nein, nie. Zu uns kommen konkret sehr kommunikative und weltoffene Menschen. Eigenbrödler, die sich zum Beipiel nicht unterhalten möchten, würden niemals auf die Idee kommen, im 'Tisch-12 einen Stuhl zu reservieren.

Hipburn Wer ist für die Tischdeko zuständig?



Christian Krüger
Meine Ehefrau Beate. Sie hat ein Händchen dafür und ich vertraue ihr blind. Für jedes Menü gestaltet Beate aufs Neue eine interessante Dekoration. Unser Running-Gag: Teile der Speisen finden sich auch immer in der Tischdeko wieder. Wenn es zum Beispiel Spargel, Radieschen oder Fenchel gibt, ist dieser zusammen mit Kräutern in kunstvollen Tischarrangements eingearbeitet. Langweilige und übliche Blumengestecke sind nicht unser Stil. Unsere Gäste fotografieren daher auch ganz viel. Das Essen, die Deko....Christian Krüger lacht...sowie auch meine Frau und mich!

Hipburn Was treibt Sie an?

Christian Krüger Die Lust und der Spaß am Kochen. Merke ich, dass diese beiden wichtigen Faktoren verloren gehen, schließe ich das Restaurant. Da bin ich mir selbst gegenüber sehr konsequent.

Hipburn Mit welchen Visionen und Projekten gehen Sie in die Zukunft? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Christian Krüger Da ich vor Ideen sprudele, habe ich so einiges auf meiner 'to do-Liste'. Ich möchte bei diversen Köchen Praktika durchführen, ein neues Kochbuch auf den Markt bringen, Kochkurse forcieren sowie einen Catering-Service mit Spitzenküche und besonderen Delikatessen anbieten. Auch überlegen wir, unser Haus zu erweitern, um eine Kochschule zu errichten. Es laufen Planungen, dass ich mit Bier- und Wein-Sommeliers zusammenarbeite und entsprechende Events anbiete. Auch das Thema Kunst und Küche möchte ich kulinarisch verbinden. Zum Beispiel ein Fünf-Gänge-Menü im Rahmen einer Vernissage. Auch Musik und Literatur passen hervorragend zu einem Gourmetabend.

www.tisch-12.de
Beitrag von Ulrike Fieback  /  18. Juli 2017  /  Drucken  /  Fehler melden  /  Erschienen bei Hipburn / © hipburn.de
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